Donnerstag, 09. Mai 2019

Viernheimer Erzieherinnen und Erzieher gegen Förderwahn – Ganztägige Veranstaltung im Familienbildungswerk

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Elke Helbig, Lehrerin für angehende Erzieherinnen an der Helen-Keller-Schule in Weinheim, brach in ihrem Vortrag eine Lanze für die Bedeutung des Spielens. (Foto: Schäfer)

Guten Tag!

Viernheim, 24. Mai 2011. (pm) Sie wünschen sich mehr freie Zeit für die ihnen anvertrauten Kinder und mehr Verständnis dafür, dass auch Spielen eine ganz wertvolle Beschäftigung ist. Ein rundes Dutzend Vertreterinnen und Vertreter von Viernheimer Kindertagesstätten und des Kinderschutzbundes kamen jetzt im Familienbildungswerk (FBW) zusammen, um sich einen ganzen Tag lang darüber auszutauschen, ob, wann und wie viel Förderung für Kinder notwendig ist. Initiatoren der Veranstaltung waren FBW-Leiterin Silvia Schoeneck, Andrea Brechtel (Entspannungspädagogin und pädagogische Fachkraft) sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Buchautorin Christina Adler-Schäfer.

Information des Robert Schäfer Verlags:

„Das Motto des Tages lautete „Eltern und Pädagogen im Spagat zwischen Fordern und Überfordern“ und in ihrer Hinführung zum Thema stellte Christina Adler-Schäfer fest, dass seit dem ersten Pisa-Test die Diskussion hierüber intensiver geworden sei. Es gebe eine zunehmende Verunsicherung darüber, „wie viel und ab wann und was genau bei Kindern gefördert werden soll“. Diese Frage belaste zunehmend die Eltern-Kind-Beziehung und spiele eine immer größere Rolle in ihrem therapeutischen Alltag, so Adler-Schäfer. Dies war für sie Motivation, das Bilderbuch „Vom kleinen Spatz, der nicht fliegen wollte“ zu verfassen. Es ist eine Mut machende Geschichte, die einen Gegenpol zu Förderwut und Förderwahn schafft. Zur Veranschaulichung projizierte Adler-Schäfer die leuchtend-bunten Bilder an die Wand und las die kurzen Texte vor.

„Spielst Du noch oder lernst Du schon?“, lautete die erste Frage von Elke Helbig. Die Diplom-Sozialpädagogin ist als Lehrerin an der Helen-Keller-Schule in Weinheim für die Ausbildung angehender Erzieherinnen zuständig. Sie brach in ihrem Vortrag eine Lanze für die Bedeutung des Spielens. „Ich sage ganz klar: spielen ist lernen“, so die Fachfrau. Das Spielen sei jene Lernform, die für Kinder angemessen ist. Leider werde in der öffentlichen Diskussion dem Spielen nicht die Bedeutung beigemessen, die es verdiene.

Mit Verweis auf wissenschaftliche Untersuchungen stelle Helbig klar, wie Kinder lernen können. Eine wichtige Botschaft an diesem Tag lautete: „Ein Kind will immer lernen“, so Helbig, die Neugier sei angeboren. Jedoch: „Das kindliche Gehirn kann nur das aufnehmen, was es auch verarbeiten kann“. Aus diesem Grund könne man von außen einem Kind auch nichts „beibringen“, wozu das Kind noch nicht bereit sei. „Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man ständig daran zieht“, zitierte die Referentin hierzu ein afrikanisches Sprichwort.

In ihrem kurzweiligen Vortrag stellte Elke Helbig zwei weitere wichtige Sachverhalte in den Mittelpunkt: „Bildung geschieht nur durch Beziehung.“ Wer mit einem Kind gut lernen wolle, müsse zu ihm eine gute Bindung aufbauen, so Helbig. Ein Kind werde nur dann etwas aufnehmen, wenn eine gute Beziehung hergestellt sei. Deshalb sollten Erwachsene fürsorglich sein, Sicherheit vermitteln und das Vertrauen fördern.

Neben der Bindung sei ein zweiter Faktor sehr wichtig. Damit die neu gelernten Sachen im Gehirn auch richtig verankert werden, sollten die gleichen Dinge immer wieder gemacht oder gesagt werden. „Lernen braucht Zeit für intensive Wiederholungen“, so Helbig, die empfahl, für eine konstante Umgebung zu sorgen. „Ständige Veränderungen behindern das Lernen“, erklärte die Diplom-Sozialpädagogin. Außerdem sei man in den Kindertagesstätten zu schnell dabei, neue Themen anzubieten, obwohl die alten Sachen noch nicht sitzen.

In der nachfolgenden Kleingruppenarbeit brachten die Workshop-Teilnehmer ihre Erfahrungen mit dem Thema Fördern und Überfordern ein. Deutlich wurde, dass man sich in den Einrichtungen mehr ungeplante Zeit fürs Spielen wünscht. Außerdem solle nicht unkritisch jede von außen kommende Forderung nach mehr kindlicher Förderung 1:1 umgesetzt werden. Die Runde war sich einig, dass für die Sache der Kinder noch weitere Mitstreiter gefunden werden sollten. Um Eltern und Multiplikatoren zu informieren und für die Belange der Kinder zu erreichen, sind weitere Veranstaltungen geplant. Die Stadt Viernheim übernahm die Hälfte der Veranstaltungskosten im FBW“

Einen schönen Tag wünscht
Das viernheimblog